Interview: Wenn Zukunft Vergangenheit wird – Du bist Geschichte

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Ihr habt gerade ein sehr interessantes Interview mit Anika, unsere Moderatorin, Stumpen (Musiker), Pyranja (Rapperin, Moderatorin) und Yessica Yeti (Journalist und Musiker) verpasst. Ich werde es für euch zusammen fassen:

Die drei Interviewpartner sind Schirmherren von dem Projekt “Du bist Geschichte”. 20 junge Menschen produzieren von August bis November dieses Jahres acht 30-minütige Sendungen, die alle zwei Wochen bei ALEX, dem Offenen Kanal Berlin, ausgestrahlt werden.

Es geht um den deutschen Mauerfall 1989, der inzwischen 20 Jahre zurück liegt. Viele kennen diese Zeit nur Erzählungen oder von Bildern und haben sie nicht selber miterlebt.
Mitgemacht hat keine homogene Masse, sondern es waren zum Beispiel freie Gruppen oder Schüler, die Filme mit Animationen, Handpuppen oder selber als Schauspieler agierten, drehten. Kriterien für die Auswahl der Gruppen waren hauptsächlich ihre Kreativität, aber auch fragmatische Punkte, weil sich mehr Jungen als Mädchen bewarben. Ende September sollen alle Filme fertig sein, die dann ausgewertet werden. Am 11. November findet die Premiere der finalen Ausstellung statt.

So viel vorab zum Projekt.
Unsere drei Gäste erzählten dann,

wie sie den Mauerfall erlebten. Pyranja war elf Jahre alt. Sie spielte gerade mit einer Freundin, als  beide zu ihren Eltern kamen, die wie gebannt vor dem Fernseher die Nachrichten verfolgten. Zwei Tage später fuhr die Familie von Rostock, wo sie lebten, zehn Stunden nach Hamburg. Dort konnten die Kinder, sie und ihr Bruder, das Glück kaum fassen: Es gab ganz andere Schokolade als im Osten, nämlich so was wie Snickers oder Twix. Sie erinnert sich auch noch an den Geruch des Intershops, den es seit der Einigung Deutschlands nicht mehr gibt. Wie sie später feststellte, war es einfach Geruch nach Waschmittel. Aber auch das Westpaket von Verwandten hatte ein bestimmten Geruch, den sie später nicht mehr spürte…
Stumpen, aufgewachsen in der BRD, wohnte damals (und auch heute immer noch) am Wald und bekam nicht viel mit. Aber er weiß, dass es viel Schlechtes und wenig Gutes gab, insofern soll jeder für sich selber herausfiltern, was gut war.
Yessica Yeti sammelt privat Geschichten zum Mauerfall. Er hat Recht, wenn er sagt, es gäbe nicht die eine Geschichte, sondern viele verschiedene. Er ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Dort gibt bzw. gab es keine Mauer, sie spielte bei ihm im Leben keine große Rolle. Eine emotionale Beziehung hatte er zu ihr. Als die Mauer fiel, weinte er – direkt neben dem Lehrer.
Er erzählte, dass dieses Thema in Berlin sehr intensiev zu spüren ist. Die Leute fragen immer: “Woher kommst du? Bist du aus dem Westen oder Osten?” Das Leben hat sich durch die Teilung ins Positive gewandelt. Kino, Freunde weit & beit oder Urlaub irgendwo sind möglich duch den Fall der Mauer. Man kann diese Dinge und auch die kleinen Alltäglichkeiten, wie “Florena-Creme ins Gesicht”, besser wahrnehmen und genießen.

“Wie lange wohl noch die Mauer in den Köpfen der Menschen sein wird?” war eine Frage von Anika. Stumpens Antwort war, dass es jeder einzelne weiß. Die Situation hat sich verändert. Nun können wir zwar reisen, wann und wohin wir wollen – aber die “Kohle” fehlt jetzt (manchmal jedenfalls).

Sich heute mit der Vergangenheit beschäftigen; sie nutzen, um sie zu benutzen. Eine neutrale, unabhängige Sicht entwickeln ist wichtig.

2009 ist Wahljahr und das Jahr der Jubiläen: 60 Jahre Grundgesetz, 20 Mauerfall
Bei der Jugend herrscht Desinteresse an Geschichte, Politikverdrossenheit und auch Resignation. Die Jugend fühlt, es höre ihnen keiner zu; denken, das geht ja sowieso nicht. Aber wer nichts tut, kann auch nichts verändern, deswegen muss jede/r Einzelne aufstehen, sich bewegen und etwas in Angriff nehmen- nur dann kann Veränderung eintreten. “Die Zeit ist reif” (Pyranja) – also macht was draus!

Einen Beweis führte hier Yessica Yeti an: Er ist sehr überrascht und beeindruckt von fünf Jugendlichen in seinem Heimatort Bohnheim: Vor zehn Jahren beschlossen die damals 16-jährigen, eine Partei zu gründen. Sie ließen sich aufstellen und schafften es ins Rathaus. Derzeit ist der Bürgermeister 27 Jahre, eine Bekannte von ihm ist mit 21 Jahren im Stadtrat.

Appell ist: Politisch agil bleiben!

Denkt daran: Am Sonntag, den 27. September sind Wahlen. Geht hin – es ist der erste Schritt Richtung Veränderung!

UPDATE: Bilder sind nun eeeendlich online.

2 Reaktionen zu “Interview: Wenn Zukunft Vergangenheit wird – Du bist Geschichte”

  1. Chris

    schade das die fotos von nich oben sind…vorallem die nach dem der talk zu ende war und die fotos gemacht wurden wo ich mit py und stumpe gequatscht hab…xD

  2. Robert

    Chris du irrst dich!!! Sie sind oben. Du hast nur an der falschen Stelle geschaut bzw. in diesem Beitrag unter der entsprechenden Galerie die 2. und 3. Seite nicht gefunden. Kein Ding, klick einfach hier:

    http://ifa09.jugendnetz-berlin.de/nggallery/post/leute-stand-halle/page-2/

    Denke mal, dass du der junge Mann im blauen T-Shirt bist ;-)

    WIR VERGESSEN NIEMALS ETWAS :D