Was zu kurz kommt…

Wir befinden uns auf einer Messe für Consumer Electronics – bemerkenswert, wie selten das Stichwort Accessability thematisiert wird. Als seien körperlich oder geistig Beeinträchtigte keine potentiellen Konsumenten.

Ganz konkret mit dem Thema Barrierefreiheit setzt sich das Projekt “easee” der Hochschule Darmstadt unter der Losung “Smart Mobility” ein. Studierende des Media System Designs haben ein System entwickelt, welches Sehbeeinträchtigten helfen soll, sich besser in einer mit zahlreichen Hindernissen ausgestatteten Umwelt zurechtzufinden.

Sehbeeinträchtigte riefen im Alltag eine mehr oder weniger große Zahl von bekannten Routen ab, wird mir am Stand erklärt. Die Zahl ist natürlich begrenzt. Menschen ohne Sehbeeinträchtigung kennen sich schließlich auch nicht überall aus, sondern in der Umgebung, in der sie häufig unterwegs sind. Allerdings erlauben es gesunde Augen in fremder Umgebung zum Beispiel, einen Stadtplan zu benutzen oder Straßenschilder zu lesen.

easee bietet eine Art Navigationssystem für Blinde. Ein easee-Modul mit GPS-Empfänger wird am Blindenstock montiert. Das ist via Bluetooth mit dem Handy des Nutzers verbunden, auf dem sich die Weginformationen und eingesprochenen Signale (“Dem asphaltierten Wegabschnitt 2m folgen, links halten…” usw.) befinden. Die Informationen von easee unterscheiden sich drastisch von denen, die ein normales Navigationssystem liefert. Sie sind ungemein detailreich, liefern Informationen zu Bodenbeschaffenheit, Laternen, Material von Wegmarken wie Zäunen, Planken oder Wänden.

Das System kann man in Halle 5.3 sogar ausprobieren. Ich habe es getan, konnte mich logischerweise dabei aber nicht selbst fotografieren. Robert und Anika haben den Stand gestern noch einmal aufgesucht und Robert hat auch ein paar Fotos gemacht.

Traurig, dass sich kein finanzkräftiger Gönner fidnet, der dieses Projekt vorantreibt, denn wirklich praktikabel ist es nur dann, wenn in unglaublich aufwändigem Kleinklein möglichst große Flächen und Gegenden erfasst werden können, um solch digitale, akustische Karten zu erstellen. Dass das für die freie Wirtschaft nicht profitabel ist, dürfte klar sein, weil die Zielgruppe im Vergleich zur nötigen Arbeit viel zu klein ist.

Die technischen Probleme – GPS-immanente Ungenauigkeiten z.B. – wirken im Vergleich zu den zu erfassenden Flächen winzig und absolut lösbar.

Eine Reaktion zu “Was zu kurz kommt…”

  1. Frank Rickert

    Wie im Artikel bereits geschrieben mussten wir aufgrund weiterer Verpflichtungen und fehlendem Interesse von Investoren das Projekt leider einstellen.
    Da wir nach diversen Messeauftritten (Cebit, IFA, Innovative) immer noch ausschließlich positives Feedback bekommen würden wir das Projekt allerdings ungern komplett in der Versenkung verschwinden lassen.
    Aus diesem Grund sind wir momentan auf der Suche nach Unternehmen die das Projekt gerne wejiter führen möchten. Für Anfragen und weitere Informationen kann sich jeder Interessierte gerne an mich wenden.

    frank.rickert@unterbezahlt.com